Der BFH zu Gast bei DATEV

Über neue Arbeitswelten und Affenberge

von am Donnerstag, 17 Oktober 2019
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Knapp 40 Richterinnen und Richter des Bundesfinanzhofs besuchten Ende September den IT-Campus, um sich über die Zukunftsthemen „Digitale Transformation“ und „neue Arbeitswelt“ in der Genossenschaft zu informieren.

Im Rahmen ihres Nürnberg-Besuchs Ende September haben die Richterinnen und Richter des Bundesfinanzhofs (BFH), darunter Präsident Prof. Dr. Rudolf Mellinghoff sowie Vizepräsidentin Christine Meßbacher-Hönsch, auch einen Stopp am DATEV IT-Campus (ITC) eingelegt. Zu Beginn präsentierten die Vorstandsmitglieder Dr. Robert Mayr und Julia Bangerth aktuelle Entwicklungen der DATEV. Im Anschluss ihrer Vorträge stellten die Richterinnen und Richter zahlreiche Fragen dazu.

New Work

Im Fokus des Besuchs stand das Thema „neue Arbeitswelt“. Was „New Work“ bei DATEV bedeutet und welche Herausforderungen dabei zu bewältigen sind, erklärten CEO Dr. Robert Mayr und COO Julia Bangerth. Julia Bangerth beschrieb, wie organisationale Weiterentwicklung in einer Welt aussieht, die von zunehmender Flüchtigkeit, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit geprägt ist. Denn diese sogenannte VUCA-Welt (Volatility, Uncertainty, Complexity, Ambiguity) bedeute neue Rahmenbedingungen sowohl für Menschen als auch für Organisationen zu schaffen, um effizient zu arbeiten. Julia Bangerths Vision: „Weg von ‚command and control‘, hin zu mehr Eigenverantwortung der Mitarbeiter.“

Daneben stellt die digitale Transformation neue Aufgaben. Sie verändert Technologie, Gesellschaft und Wirtschaft in nie zuvor gesehener Geschwindigkeit – und macht auch vor dem BFH nicht Halt. So existiert bereits ein elektronischer Gerichtssaal mit Videokonferenzanlage, digitale Verwaltungsakten oder ein E-Schreibtisch für die elektronische Gerichtsakte, die in Zukunft eingeführt werden soll. Um auf die Veränderungen der Digitalisierung in Echtzeit reagieren zu können, ist aber auch Agilität gefordert. „Bei DATEV wurde dieser Ansatz unter anderem im Cross Solution Center (XSC) umgesetzt“, erklärte Julia Bangerth. Im XSC werden in sich abgeschlossene Arbeitspakete aus IT-Entwicklungsprojekten von Solution-Teams übernommen, um kurzfristig mehr Dynamik und Flexibilität zu entfalten und so Produkte und Lösungen schneller auf den Markt zu bringen. Woher der Impuls kam, wollte einer der Richter in der Fragerunde ganz genau wissen. „Diese Bewegung kam von unseren Mitarbeitern“, so die Personalvorständin.

DATEV unterstützt von Anfang an

Die vielen Fragen der Besucher gingen an diesem Tag auch über das Dachthema New Work hinaus. So interessierten sich die Damen und Herren auch für Datenschutz und Cyberkriminalität. „Sie verarbeiten enorme Datenmengen. Ist Datenklau ein Thema für Sie?“, fragte einer der Richter. CEO Dr. Mayr erklärte, dass die DATEV täglich angegriffen wird und verwies in seiner Antwort darauf, dass das DATEV Rechenzentrum zu einem der sichersten in Deutschland gehört. Eine weitere Richterin wollte wissen, wie DATEV künftigen Steuerberaterinnen und Steuerberatern in Ausbildung und Studium zur Seite steht. Julia Bangerth erklärte, dass die Genossenschaft in vielen Beiräten von Studiengängen vertreten ist. „Wir versuchen, von Anfang an zu unterstützen“, so Bangerth. „Wir versuchen, die Universitäten mit Know-how zu unterstützen – auch mit Mitarbeitern, die als Gastdozenten arbeiten“, erklärte sie weiter. Zudem wirkt DATEV in die Ausbildung der FIBU-Berufe mit ein.

Neben den Fragen zur DATEV-Umwelt, blieb auch die hausinterne Transformation, die der IT-Dienstleister gerade durchlebt, im Verhör der Richterinnen und Richter nicht ungefragt: Sie wollten wissen, wie das Unternehmen die eigenen Mitarbeiter bei solch großen Veränderungen mitnehme. Julia Bangerth sieht die Lösung in einer transparenten Kommunikation: „Man versucht alles, um sie so gut wie möglich zu begleiten.“ Dabei betonte sie, dass das Warum kontinuierlich erklärt werden muss. Sachlich, aber auch emotional. Es sei wichtig, den Prozess greifbar zu machen. Denn ohne den Rückhalt der Mitarbeiter gehe es nicht.

Was ist ein Affenberg?

Nach den regen Befragungen konnten die Gäste bei einem Rundgang durch den ITC New Work hautnah erleben. Sie besuchten das vierte Stockwerk, das fast alles bietet, was im New-Work-Kontext wichtig und richtig ist – ganz im Silicon-Valley-Stil: nicht reservierbare Besprechungsräume, eine Chillout-Zone und ein kreativer Pausenbereich mit einer podestartigen Sitzecke auf drei Ebenen. Diese in Unternehmen wohl doch ungewöhnliche Sitzgelegenheit wird bei DATEV intern liebevoll Affenberg genannt. All diese Besonderheiten dienen dem Zweck einer optimalen Work-Life-Balance. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben ebenso Raum für eine kreative Pause wie für konzentriertes Arbeiten. Sie können entscheiden, wann sie eine Ruhephase am Affenberg einlegen, fokussiert am PC sitzen oder sich in einem der Besprechungsräume für ein spontanes Meet-up treffen. Dieses selbstverwaltete Arbeitskonzept gefiel den Richterinnen und Richtern sehr und wurde daher gerne unter die Lupe genommen, schließlich ist eine solche Arbeitsumgebung an einer Einrichtung wie dem BFH aktuell noch nicht vorstellbar. So waren einige besonders von den nicht reservierbaren Besprechungsräumen fasziniert – und vor allem davon, dass das Prinzip der Absprache so gut funktioniert. New Work bedeutet eben, gewohnte Wege zu verlassen und neue zu betreten. „So zu arbeiten, das kann ich mir so gar nicht vorstellen“, staunte einer der Richter. Vielleicht ist New Work manchmal noch gewöhnungsbedürftig. Doch alles in allem waren sie begeistert, die Damen und Herren vom BFH. Und vielleicht beehren sie Nürnberg und die DATEV bald wieder.

Über die Autorin: Christina Erhardt

studierte Technikjournalismus/Technik-PR im Bachelor an der Technischen Hochschule Nürnberg und entschied sich im Masterstudium für PR und Unternehmenskommunikation. Bei DATEV arbeitet sie als Werkstudentin in der Pressestelle und ist unter anderem für diverse Texterstellungen und Twitter zuständig. Privat ist sie gern auf Reisen oder im Kino.