Über die Zukunft der Steuerberatung

(Keine) Angst vor der Digitalisierung!

von am Montag, 15 April 2019
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Können Sie das Wort Digitalisierung noch hören? Gleich, welches Medium man betrachtet oder mit wem man spricht: Die Schlagzeilen sind geprägt vom digitalen Wandel. Und wie immer, wenn sich Zeiten und Technologien radikal verändern, begleiten Ängste und Sorgen den Blick in die Zukunft. Das gilt besonders für uns Steuerberater und die Angestellten in den Kanzleien: Werden uns FIBU-Automaten künftig die Arbeit wegnehmen? Verlieren wir die Kontrolle über wichtige Entscheidungen? Sind Daten noch wirklich sicher?

Es ist wichtig, diese Ängste anzusprechen und sich damit auseinanderzusetzen. Aber mindestens genauso wichtig ist es, die Veränderungen nicht nur skeptisch zu betrachten, sondern als Chance zu begreifen. Als Digitalisierungsoptimist mach ich genau dies immer wieder. Denn aus meinen zahlreichen Gesprächen mit dem Berufsstand weiß ich, dass zurzeit viele verunsichert sind, möglicherweise sogar Zukunftsängste haben. Aber wir haben derartige Sorgen und Ängste schon einmal erfolgreich gemeinsam bewältigt: Wenn wir an die Anfänge unserer Genossenschaft zurückdenken, war genau dies der Grund, warum die DATEV Ende der 1960er Jahre entstanden ist. Vertreter des Berufsstandes hatten damals den Mut, das Unwägbare anzugehen und zu überwinden. Sie waren offen gegenüber neuen technologischen Entwicklungen und gründeten die DATEV als Genossenschaft der Steuerberater. Auch wenn es den Begriff Outsourcing so noch gar nicht gab, haben wir gemeinsam bereits damals mit der Übernahme der Auftragsbuchführung und der betriebswirtschaftlichen Beratung genau dies vorgelebt und damit den Mittelstand in Deutschland erfolgreich gemacht. Und der Berufsstand hat die Chance kontinuierlich genutzt, sich mit der IT weiterzuentwickeln.

Steuerberater und Steuerfachangestellte gefragter denn je

Nun stehen wir an der nächsten technologischen Schwelle. Wahrscheinlich ist, dass mittelfristig in vielen Bereichen immer mehr Arbeitsabläufe technologisiert werden. Künstliche Intelligenz übernimmt Routineaufgaben, wahrscheinlich auch bald schon in Kanzleien. Aber werden Steuerberater oder Steuerfachangestellte dadurch überflüssig? Im Gegenteil: Sie können viel mehr für die Mandanten tun, als es eine Maschine kann. Denn nicht der FIBU-Roboter ist der Spezialist, sondern der Steuerberater, der sein umfangreiches Fachwissen für die Mandanten einsetzt. Sie in allen unternehmerischen Phasen unterstützt und zugleich die Mitarbeiter in der Kanzlei gleichermaßen zu Fachleuten fortbildet, wie es die Bundessteuerberaterkammer mit den Fachassistenten für Lohn oder Rechnungswesen und Controlling vorgemacht hat.

Außerdem können Steuerberater und deren Mitarbeiter diese Expertise und Fähigkeiten nutzen, um auf Grundlage neu gewonnener Daten und Informationen ihren Mandanten neue werthaltige Beratung zu bieten. Darüber hinaus braucht es natürlich klare Regeln für künstliche Intelligenz – nicht alles, was machbar ist, kann bedenkenlos umgesetzt werden. Diese Position vertreten auch die Datenschutzbehörden des Bundes und der Länder und fordern in einem aktuellen Grundsatzpapier, dass vor allem selbstlernende Systeme, welche automatisierte Entscheidungen treffen können, im Sinne des Datenschutzes gesteuert werden. Das gewährleistet, dass der Mensch – und damit auch der Steuerberater – in jeder Entscheidungsphase eingreifen kann.

Mit Spezialisierung immer gut beraten

Dass der steuerberatende Beruf nicht einfach wegdigitalisiert werden kann, zeigt der aktuelle Aufwärtstrend bei den Berufsträgern. Vor allem die Tatsache, dass Fortbildungen zum Fachberater – beispielsweise für internationales Steuerrecht oder für Zölle und Verbrauchersteuern – hoch im Kurs stehen, demonstriert, dass der digitale Wandel den Berufsstand nicht wegrationalisiert. Im Gegenteil: Zunehmend komplexere rechtliche und unternehmerische Fragestellungen verbunden mit der Tatsache, dass auch der Mittelstand selbst mit der Digitalisierung konfrontiert ist, machen es nötig, dass wir unsere neue Rolle annehmen. Die DATEV als Genossenschaft der Steuerberater möchte diese Entwicklung – gewissermaßen als digitales Rückgrat – unterstützen und Verantwortung für den Berufsstand und deren Mandanten im digitalen Wandel übernehmen. Im Sinne der genossenschaftlichen Idee also das gemeinsam tun, was einer alleine nicht bewältigen kann.

„Dass die niedrigste aller Tätigkeiten die arithmetische ist, wird dadurch belegt, dass sie die einzige ist, die auch durch eine Maschine ausgeführt werden kann.“ Ich glaube, dass Arthur Schopenhauer damit falsch lag, als er in seinen philosophischen Schriften argumentierte, dass der mathematische Tiefsinn im Grunde auf Rechnerei zurückzuführen sei.

Denn Mathematik ist nicht Rechnen, sondern Denken. Und Steuerberatung nicht allein Buchhaltung, sondern Begleitung auf dem Weg in die unternehmerische Zukunft – mit Expertise und Sachverstand.

Über den Autor

Dr. Robert Mayr

ist seit April 2011 im Vorstand der DATEV und seit 2016 Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft.