2. DATEV-Barcamp am 20.10.2018

Welche Fähigkeiten brauchen die Kanzlei-Mitarbeiter der Zukunft?

von am Mittwoch, 31 Oktober 2018
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Diese Frage beantworten Kanzleien ganz unterschiedlich. Das zeigten gleich die beiden ersten Wortmeldungen in meiner Session zu dieser Frage beim DATEV-Barcamp am 20.10.2018 in Nürnberg. „Das brauchen sie nicht: Religion und Englisch.“ war der erste Beitrag. Der zweite lautete „Englisch brauchen sie sehr wohl.“ Somit war von Anfang an auch für alle Teilnehmer klar, dass unterschiedliche Kanzleien unterschiedlich Bedürfnisse, Wünsche und Anforderungen an ihre Mitarbeiter haben.

Genauso vielfältig war übrigens auch die Session besetzt: Steuerberater, Steuerfachanstellte, KOBs und DATEV-Mitarbeiter. Das garantierte einen vielfältigen und regen Austausch. Um einen besseren Überblick zu bekommen, haben wir die Fähigkeiten in „Allgemein“ (= jeder, der in der Kanzlei arbeitet), „Steuerberater“ (= die angestellten Steuerberater) und „Steuerfachangestellte“ (= die angestellten Mitarbeiter in der Kanzlei) unterteilt.

Bei den allgemeinen Fähigkeiten herrscht die größte Einigkeit unter den Teilnehmern. Rollenbeschreibung statt Stellenbeschreibung ist der Oberpunkt, unter den auch die Anforderungen nach Selbstorganisation, Projektmanagement und Freude an Menschen fallen. IT-Kenntnisse und Know-how zum Thema Digitalisierung sind unverzichtbar für alle. Es sind komplexe Zeiten, da sind sich die Teilnehmer einig.

Englisch oder nicht?

Ob Steuerberater Englisch brauchen oder nicht, das ist wohl von der Ausrichtung der Kanzlei abhängig. Führen und vorleben können, unternehmerisch denken und Wissen vermitteln, das braucht man hingegen überall.

Die Steuerfachangestellten benötigen zukünftig eine Ausbildung, die sie befähigt, die Arbeitsergebnisse, die durch ihre Vorarbeit entsteht, auch zu verstehen, wie z. B. eine BWA oder Kennzahlen verstehen und erklären können. Je nach Kanzleischwerpunkt sind unterschiedliche Branchenkenntnisse wertvoll. Technische Grundlagen (z. B. Schnittstellen, Excel) sollten unbedingt vorhanden sein. Ein Praktikum im Unternehmen bzw. beim Mandanten könnte helfen, die Prozesse dort besser zu verstehen und auch Vorsysteme (z. B. Kassensystem) zu kennen.

Ausbildung revolutionieren?

Einig waren sich die Teilnehmer, dass die Ausbildung für die Steuerfachangestellten zu komplex und generell ein aktualisiertes Berufsbild nötig ist. Ob dieses Ziel schon mit einer Aktualisierung des Lehrplans zu erreichen ist oder ob es nicht sinnvoller wäre, z. B. einen eigenen Ausbildungsberuf zur Lohnfachkraft zu entwickeln, das wurde kontrovers diskutiert. Genauso kontrovers wurde teilweise die Frage diskutiert, wer denn nun für die Ausbildung einer neuen Fähigkeit zuständig ist. Hochschule oder Kanzlei, Berufsschule oder DATEV, je nach Themenstellung wurden unterschiedliche Beteiligte gesehen.

Dass es essentiell für das Fortbestehen der Kanzleien ist, die bereits vorhanden Mitarbeiter bei der Ausrichtung für die Zukunft mitzunehmen, da waren sich zum Abschluss alle Anwesenden einig.

Die Session war viel zu schnell vorbei, obwohl wir noch lange nicht am Ende der Diskussion angelangt waren. Ich freue mich schon darauf, die Entwicklung in dieser Fragestellung beim DATEV-Barcamp 2019 zu diskutieren.

Über die Autorin:

Melanie Nicoletti beschäftigt sich gerne mit Veränderung, Innovation und Methoden. Themen voranbringen und das große Ganze im Auge zu behalten, ist ihr ein großes Anliegen. Nach ihrem Einstieg bei der DATEV in 1995 machte sie in unterschiedlichen Bereichen Station und ist aktuell im Team der Bildungspartnerschaft tätig. Dort steht die Unterstützung der Ausbildung von Steuerberatern und Steuerfachangestellten im Zentrum.