DATEV und die CEBIT - Gespräch mit DATEV-Vorstandsmitglied Eckhard Schwarzer

Spurwechsel …

von am Donnerstag, 25 Januar 2018
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Dass sie sich nun offiziell in Versalien schreibt, „CEBIT“, ist noch die geringste aller Neuerungen. Nach jahrelangem Besucher- und Ausstellerrückgang tritt die einst wichtigste IT-Messe der Welt im Juni 2018 mit einem völlig neuen Konzept an – als sommerliches Business-Festival mit zahlreichen Events im Außenbereich.

Vier Leitbegriffe geben die Richtung vor: d!conomy (digitale Transformation), d!talk (Konferenzen und Workshops) d!tec (disruptive Technologien und Startups) und d!campus (Networking). Anlass genug auch für DATEV, das Konzept unserer öffentlichen Auftritte einmal grundsätzlich zu überdenken. Eckhard Schwarzer, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der DATEV eG sowie verantwortlich für Marketing, Service und Vertrieb, beantwortet im Interview, was die Neuausrichtung der CEBIT für DATEV bedeutet.


Alles, was sich über viele Jahre etabliert und verfestigt hat, neigt ja dazu, gegen Kritik und Infragestellung immun zu werden. War also der Entschluss aus Hannover, die CEBIT völlig anders zu positionieren als bisher, auch für die DATEV ein fruchtbarer Anstoß, einmal grundsätzlich über unsere Messebeteiligung nachzudenken?

Ja und nein. Es ist richtig, das neue Messekonzept in Hannover passt nicht mehr zu einer Leistungsschau, wie wir sie in der Vergangenheit hatten. Durch die Neukonzeption der CEBIT müssen wir mehr als nur unseren Stand in Halle 2 aufgeben. Mit ihm fällt für eine bestimmte „DATEV-Community“ auch der Treffpunkt fort, den wir uns in jahrelanger Zusammenarbeit in Hannover aufgebaut haben und der auch als Kongress- und Kommunikationsplattform sicher beispiellos war. All dies lässt sich durch die grundlegende Neuausrichtung der Messe Hannover leider nicht aufrechterhalten, das erfolgreiche Konzept, eine Woche lang Kongress, Ausstellung, Kommunikation und Erfahrungsaustausch auf einem großen Messestand parallel erleben zu können, ist tot. Selbst wenn wir wollten: Halle, Stand, Außenbereich, alles wird völlig anders und zwingt uns – wie alle anderen Aussteller auch – zum Umdenken, ja zu einem kompletten Neuanfang.

Als bedeutender Player in der IT-Branche mit einer ausgesprochen hohen Reputation hinsichtlich Vertrauenswürdigkeit und Sicherheit können und wollen wir aber auch nicht auf einen CEBIT-Auftritt verzichten. Die CEBIT bleibt auch künftig eine zentrale politische und unternehmerische Plattform der IT-Branche. Andererseits haben wir uns aber auch seit längerem schon eigene Gedanken darüber gemacht, wie es mit der CEBIT weitergehen soll. Fest steht nur, die alte CeBIT ist tot, ob die neue CEBIT ein Erfolg werden wird, weiß heute niemand. Nach der Veranstaltung werden wir unser neues Konzept sehr genau überprüfen und schauen, was gut lief und was nicht.

Der DATEV-Messestand auf der CeBIT 2017

Was ändert sich denn genau?

Zunächst einmal findet die CEBIT nicht mehr im März, sondern im Juni statt. Aber das ist nicht das wichtigste. Wir werden nicht mehr mit über 300 Mitarbeitern in Hannover auftreten, sondern mit einer drastisch verkleinerten Messemannschaft auf einem um rund 80% verkleinerten Standbereich. Inhaltlich positionieren wir uns völlig neu. Wir greifen nicht nur den Leitbegriff „d!conomy“ auf, sondern wenden uns auf der CEBIT konsequent an unterschiedliche Zielgruppen, nämlich an Unternehmer und den Public Sector. Wir betreiben Recruiting und arbeiten an einer Vermehrung und Vertiefung unserer Partnerschaften im Rahmen des d!campus. Wir wollen das DATEV-Ökosystem, unsere Ausrichtung auf die Digitalisierung imagewirksam in einem völlig neuen Format darstellen und dabei die Pressearbeit intensivieren. Wir beteiligen uns an den politischen, strategischen und technischen Veranstaltungen und Diskussionsrunden im Bereich d!talk, tauschen uns mit IT-Experten und Security-Spezialisten aus, und wir beobachten die Startup-Szene, die den Leitbegriff d!tech füllen soll.

DATEV kommt zu den Kunden

Und was sagen Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte dazu?

Hier gibt es in der Tat Erklärungsbedarf! Der ein oder andere Berufsträger wird gewiss skeptisch die Augenbrauen hochgezogen haben bei der Ansage, auf der CEBIT keine berufsspezifischen Angebote mehr präsentieren zu wollen, keine Produkte für den Berufsstand vorzustellen, ja, dass wir uns überhaupt vielen unterschiedlichen und neuen Zielgruppen öffnen wollen. Doch wir haben dabei keine Sekunde vergessen, für wen wir arbeiten! Wir gehen hier nur ab diesem Jahr einen anderen Weg. Die Kernbotschaft lautet: Unsere Kunden müssen nicht länger zu uns kommen, wir gehen zu unseren Kunden!

Wir stellen nämlich dem zwangsweise veränderten CEBIT-Auftritt insgesamt 20 regionale Infotage zur Seite, die schon im Februar beginnen und auf denen unseren Mitgliedern vieles von dem in kompakter Form geboten wird, was sie vordem von der CEBIT gewohnt waren: DATEV-Kompetenz pur, Innovationen, Austausch, Fachvorträge – nur ohne weite Anreise eben. Wir werden uns auf das Schwerpunktthema „Digitalisierung“ konzentrieren, ein Thema, das für unsere Mitglieder derzeit die meisten Herausforderungen birgt und in fast allen Geschäftsfeldern Handlungsempfehlungen erfordert.

Aber auch für andere DATEV-Themen, die unsere Mitglieder bewegen, wird es kompetente Ansprechpartner geben. Es treffen sich Berufsträger, die ihre Sicht aus der Praxis mit einbringen, Mitglieder aus dem Vorstand oder der Geschäftsleitung. Diskussionen, Vorträge und Präsentationen bieten den Mitgliedern einen durchgängigen, abgestimmten Programmablauf, der uns in dieser Form auf der CEBIT nicht gelungen wäre, da wir hier das Angebot breiter aufstellen mussten. Wir gehen bundesweit in die Regionen und konzentrieren uns nicht auf nur ein zentrales Event in Hannover. Aus unserer Sicht ergeben sich lauter positive Effekte für interessierte Mitglieder und Besucher.

Regionale Info-Tage gab es allerdings in der Vergangenheit auch schon …

Das ist richtig. Allerdings waren sie bisher eher eine Art inhaltliche Verlängerung der CEBIT. Themen die im März in Hannover in den Mittelpunkt unserer Präsentationen gestellt worden waren, wurden auf den regionalen Info-Tagen in den Niederlassungen vorgestellt. Jetzt, und auch nach den positiven Erfahrungen von 2017, haben wir die Prioritäten gedreht. Die regionalen Info-Tage stehen für uns absolut an erster Stelle. Hier wollen wir mit unseren Mitgliedern, mit den Entscheidungsträgern sprechen und unser Anliegen, die Digitalisierung der Kanzleien voranbringen. 2018 machen wir nämlich die Digitalisierung zum zentralen Thema des Jahres. Darum nennen wir die Veranstaltungsreihe auch „Regional-Info-Tage 2018 – Digital work“. Das Ganze soll und wird eine echte Alternative zur CEBIT werden.

Die Regional-Info-Tage 2017

 

Eine echte Neubewertung der CEBIT und der Regional-Info-Tage also. Meinen Sie, dass unsere Mitglieder, die ja zugleich unseren Kunden sind, diesen Weg mitgehen werden?

Davon bin ich überzeugt, wenn es uns gelingt zu kommunizieren, was wir da tun und warum wir es tun. Es ist ja beileibe nicht so, dass uns auf der CEBIT Steuerberater, Anwälte und Wirtschaftsprüfer nicht willkommen wären – Anlaufstelle ist unser Stand in Halle 14. Diese Messe ist nur nicht mehr der Hotspot, an dem wir zeigen, was wir Neues für Sie haben. Diese Rolle übernehmen eben jetzt die Regional-Info-Tage in Berlin, München, Hamburg, Köln und den weiteren Städten. Dass dieses Konzept aufgeht, zeichnet sich bereits heute ab: Schon bis Mitte Januar liegt die Zahl der Berufsträger, die sich zu Vorträgen auf den Infotagen angemeldet haben, deutlich über der Zahl an Kanzleien, die uns auf der CEBIT in der Vergangenheit überhaupt besucht haben. Ein klares Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

So gesehen ist das Ganze also gar kein Richtungswechsel?

Genau! Den eingeschlagenen Weg haben wir inhaltlich ja auch gar nicht verlassen. Es ist eher ein Spurwechsel: weg von der zentralen, hin zu einer dezentralen Präsentation unserer Leistungen. Ich bin sicher, dass wir so mit geringerem Aufwand deutlich mehr Kanzleien erreichen und auf dem Weg in die Digitalisierung begleiten können. Trotzdem werden wir auch hier nach Ende der Reihe das Konzept auf den Prüfstand stellen. Ich freue mich jedenfalls schon auf die Gespräche mit unseren Kunden auf den Regional-Info-Tagen und bin sicher, dass wir auch die Skeptiker unter ihnen mit dem neuen Auftrittskonzept überzeugen werden.


Wenn Sie mehr über die Regional-Info-Tage erfahren und sich anmelden wollen, besuchen Sie uns auf www.datev.de. Dort finden Sie auch einen kurzen Film mit Impressionen der Veranstaltungsreihe aus dem vergangenen Jahr.

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Über den Autor

Carsten Seebass

hat Germanistik und Geschichte studiert und ist nach Arbeitsstationen an der Universität und der GfK-Marktforschung seit 1993 Kommunikationsberater/Redakteur bei DATEV. Hier schreibt er für verschiedene Online- und Printmedien, ist zuständig für Recherche und Redaktion zu Themen rund um Markt, Marke und Strategie. Er ist verantwortlich für zwei Newsletter und den DATEV Marketing Club. Außerdem berät er in allen Fragen zu Stil, Sprache und Ausdruck.