Der DATEV-Recherchedienst

Seit einem Vierteljahrhundert auf der Suche …

von am Donnerstag, 21 Dezember 2017
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Der Schuldner hat sich ins Ausland abgesetzt. Ein Dirigent, dessen Mandat der Berater schon einige Jahre betreut hat. Keinen Pfennig wird er mehr von ihm bekommen. Er muss ihn finden. Unbedingt. Aber wie?

In einem solchen Fall, wendet man sich üblicherweise an einen Inkassodienstleister – oder wie vor einigen Jahren geschehen, an den DATEV-Recherchedienst. Der wurde dieses Jahr fünfundzwanzig. Für mich ein guter Grund auf die Anfänge zu blicken und die kuriosesten Anfragen herauszukramen.

Der DATEV-Recherchedienst entstand 1992 aus einem Forschungsprojekt der DATEV in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Forschung, DATEV-Mitgliedern und ersten Partnern wie dem Informationszentrum Raum und Bau in Stuttgart. Anfangs lag der Schwerpunkt noch auf der Recherche zu Gründungsthemen, Branchen, Subventionen, Umwelt und Marken. Bonitätsauskünfte und Länderberichte kamen dank neuer Partner schnell hinzu.

Viele Informationen, die wir heute schnell bei Google oder in der Datenbank LEXinform Wirtschaft suchen können, wurden vor fünfundzwanzig Jahren noch mühsam zusammengetragen. Für eine Einzelperson fasst unmöglich. Deshalb bot DATEV schon früh unterschiedliche Pakete in einem Katalog an: „Recherche erspart lange Leitung“, „Scheiden tut weh“ oder „Was Sie schon immer über … wissen wollten und nie zu fragen wagten“ hießen drei der Angebote. Die Preise rangierten je Aufwand und Informationstiefe zwischen 225,00 – 1.000,00 DM.

Recherchiert wurde mit dem PC und einem DATEX-P-10-Hauptanschluss. Damit konnten Daten in Paketen mit einer Geschwindigkeit zwischen 2.4000 bit/s und 64 kbit/s über das Telefon- und Fernschreibnetz übertragen werden. In manchen Fällen waren auch noch Akkustikkoppler im Einsatz. Wer nicht mehr weiß, was das ist: Akkustikkoppler wurden in den 1970ern und 1980ern zur Datenübertragung mit Telefonen (damals Fernsprechtischapparaten) verwendet. Die Daten wurden als Tonsignale von Koppler zu Koppler gesendet, an denen jeweils Telefonhörer befestigt waren.

Gespeichert wurden die Aufträge und deren Ergebnisse auf Mikrofilm, ab 1996 flossen diese auch in LEXinform Wirtschaft ein. Der verschwundene Dirigent wurde natürlich nicht aufgenommen. Aber auch ansonsten erreichten die Rechercheure immer wieder ausgefallene Anfragen: Da wurde ein Hundezahnarzt im Raum Hamburg gesucht, Informationsmaterial für einen Businessplan benötigt, da ein Mandant eine Straußenfarm auf den Balearen eröffnen wollte oder die lukrativsten Charterregionen Europas gesucht, da ein Mandant plante ein Yachtcharterunternehmen zu eröffnen.

Heute bearbeitet der Recherchedienst im Jahr 1.500 Anfragen. Das sind dreimal so viele wie in seinen Anfängen. Die Auftraggeber rufen an, e-mailen oder faxen. Der Recherchedienst dient heutzutage eher als Trendscout für aktuelle Themen, die die DATEV-Mitglieder bewegen und sie in ihrem Beratungsalltag benötigen, aber auch als DATEV-interner Informationsdienst.

Ich bin gespannt, was sich in den nächsten 25 Jahren an skurrilen Recherche-Anfragen ansammeln wird.

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Der DATEV-Recherchedienst unterstützt Sie als Informationsdienstleister für Steuerberater, Rechtsanwälte und Wirtschaftsprüfer in allen betriebswirtschaftlichen, aber auch steuerrechtlichen und rechtlichen Belangen Ihres Tagesgeschäftes bzw. Kanzleialltags.

 

Über den Autor

Julia Wieland

hat Amerikanistik, Neuere und neueste Geschichte und Skandinavistik in Tübingen und Uppsala studiert. Erste redaktionelle Erfahrung sammelte sie während ihres Studiums bei CampusTV. Seit 2012 ist sie Redakteurin bei DATEV und für die Themen Kanzleiorganisation, Beratung und Wissen zuständig. Privat schreibt sie am liebsten für ihren Foodblog, macht Crossfit und engagiert sich ehrenamtlich.