Der Global Day of Code Retreat bei DATEV

Let’s get nerdy

von am Donnerstag, 3 November 2016
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Wie es ist, als BWLerin an einem Coder-Event mit 64 Software-Entwicklern teilzunehmen, habe ich auf dem Global Day of Code Retreat erfahren. Das Bild, das sich mir dort bot, war ein ganz anderes als gedacht.

Ich betrete einen Raum mit geschlossenen Fenstern und runtergezogenen Rollläden. Kein Licht, die Luft stickig. Überall stehen leere Pizzakartons und Cola-Dosen herum. Das einzige, das man hört, sind Tastaturgeräusche und das leise Surren der PC-Lüfter. In der Mitte des Raumes: vier Schreibtische, an denen vier untersetzte unrasierte Männer mit langen Haaren sitzen. In ihren dicken Brillengläsern spiegelt sich das Licht des Monitors. Keiner sagt ein Wort. Komisch …

So oder so ähnlich habe ich mir das typische Arbeitsumfeld eines Software-Entwicklers immer vorgestellt. Ich weiß, ein bisschen stereotypisch ist das schon, und umso überraschter war ich, als ich an vergangenem Samstag an meinem ersten richtigen Coder-Event teilgenommen habe.

Nun ja, dass ich daran teilgenommen habe, ist vielleicht etwas zu viel gesagt. Schließlich habe ich ja nicht mitprogrammiert, sondern nur getwittert und gefacebookt. Den Spirit vom Global Day of Code Retreat (GDCR) habe ich trotzdem mitbekommen. Das Bild, das sich mir dort bot, war ein ganz anderes als gedacht.

Global Day of What?

Der GDCR ist ein weltweit stattfindendes Event, bei dem sich Software-Entwickler treffen, um gemeinsam ihre Programmier-Skills zu verbessern; ganz im Sinne von „Think Global Act Local“. In diesem Jahr war DATEV Gastgeber für den Standort Nürnberg und hat deshalb am Samstag, 22.10.,  32 interne und 32 externe Coder in den IT-Campus eingeladen. Mit diesen insgesamt 64 Teilnehmern war der Code Retreat in Nürnberg einer der größten weltweit.

Ich komme also am Samstagmorgen um 8:00 Uhr in den IT-Campus. An einem Wochenend-Tag zu dieser, für mich vollkommen unerträglichen Zeit irgendwo sein zu müssen, kostet mich einige Überwindung. Zu meiner Überraschung sind schon vor Veranstaltungsbeginn um 9:00 Uhr einige Gäste und natürlich auch die Veranstalter anwesend. Während ich also noch etwas schlaftrunken zum Kaffeestand schlappe, werde ich bereits freundlich mit einem „guten Morgen, schön, dass du hier bist“ begrüßt. Warum sind die alle so fröhlich? Das scheint Methode zu haben, denn als immer mehr Menschen hereinkommen, macht sich eine freudig-aufgeregte aber gleichzeitig entspannte Stimmung breit. Das reißt mich dann so mit, dass ich ganz vergesse, dass ich ja eigentlich total müde bin. Ist ja wirklich cool hier.

Cool, cooler, Coder

Nicht nur die Stimmung, sondern auch die Menschen sind ganz anders als erwartet: Anstatt von 64 leicht untersetzen älteren Männern mit Pferdeschwanz und Sozialphobie, treffe ich bereits beim Frühstück Programmierer jeder Altersklasse, mit jedem Kleidungsstil, beiderlei Geschlechts und unterschiedlicher Programmier-Erfahrung. Von Stereotypen (fast) keine Spur.

Interessant ist, wie die Leute miteinander umgehen: jeder duzt, anstatt von Namensschildern schneidet sich einfach jeder ein Stück Kreppband ab, schreibt seinen Namen drauf und klebt sich das Teil auf den Pulli. Niemand mit Kragen oder Krawatte um den Hals – das ist wirklich eine schöne Abwechslung zu den üblichen Business-Events, die ich sonst kenne – eben einfach locker.

Wer gut sein will, muss üben

Ich lerne! Bei Code-Retreats geht‘s nicht darum, etwas produktiv zu entwickeln, sondern einzig und allein darum, gemeinsam zu lernen und die eigenen Skills zu verbessern. Die Entwickler arbeiten dazu in wechselnden zweiergruppen und lösen eine Aufgabe mit unterschiedlichen Restriktionen. Nach jeder Übungseinheit – Session genannt – wird der programmierte Code einfach gelöscht. In der anschließenden Retro tauscht man sich nämlich nur über seine Erfahrungen aus. Welche Erkenntnisse hast du gewonnen? Was hast du gelernt? – Faszinierend! Dabei lernen die starken von den schwächeren und umgekehrt. Es gibt keine Vorurteile, kein Ellenbogenverhalten und keinen Leistungsdruck. Frei nach dem Motto „Each one teach one“.

Dieses Konzept finde ich sogar so genial, dass ich es einfach geklaut habe und wir in der Kommunikation demnächst unseren ersten Kommunikations-Retreat machen (Ich bin schon ganz aufgeregt). Der funktioniert genauso, wie der Code-Retreat, nur eben ohne Code, dafür mit Text.

Obwohl ich selbst auf dem GDCR nicht eine Zeile Code geschrieben habe, konnte ich doch so einiges lernen. Und genau darum ging es ja auch. Was ich mitnehme, ist, dass das Konzept eines Retreats ein cooles neues und sinnvolles Lernformat ist, und dass der gemeine Entwickler an sich keinesfalls ein zurückgezogen lebender Nerd ist. Nein, Entwickler sind offene, entspannte und lustige Menschen, die sich für ihre Arbeit begeistern und das auch miteinander teilen. Eine starke Community, die auch gerne jemanden wie mich aufnimmt, ohne Vorurteile zu pflegen.

Nur so ein Gedanke: Vielleicht sollten wir Nichtprogrammierer uns eine Scheibe von den lässigen Codern abschneiden – vielleicht sind ja wir die Komischen …

Über den Autor

Kathrin Krause

ist 2007 nach ihrem Abitur bei DATEV als Azubi eingestiegen. Seit dem hat sie ihre Ausbildung beendet und ist seit 2009 Werkstudentin in der Online-Kommunikation. Sie ist zuständig für die DATEV-interne Videoproduktion. Wenn sie gerade nicht mit ihrer Videokamera unterwegs ist, betreut sie zusammen mit ihren Kollegen den DATEV-Blog.