Mit Büro zum Erfolg

von am Freitag, 10 August 2012
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DATEV baut mit dem IT-Campus 111 in Nürnberg ein neues Büro-Gebäude für Software-Entwickler. Begleitend testet DATEV ein neues Bürokonzept – das „Flexible Office“. Die Erfahrungen, die hier gesammelt werden, sollen dereinst dem Arbeitsalltag im IT-Campus zu Gute kommen.

Warum? Nun, weil der Erfolg eines Unternehmens unter anderem davon abhängt, ob Mitarbeiter produktiv sind, weil sie sich dort wohlfühlen, wo sie arbeiten. So bringt es Jutta Rößner auf den Punkt. Die Leiterin Technologieleitlinie, Architekturen und User Experience testet mit ihrer Hauptabteilung das „Flexible Office“:

Wir sind ein Unternehmen, das sehr viel Wert auf Mitarbeiterzufriedenheit legt. Ich denke, das ist auch DATEV-spezifisch, die DATEV-Kultur hier mitzunehmen und einzufangen. Wir haben hier dreizehnhundert Software-Entwickler, wenn die gemeinsam umziehen in ein neues Büro und wir merken dann, wir haben falsch geplant, dann wird’s teuer. Deswegen machen wir eine Pilotphase vorneweg, in der wir verproben, ob das, was wir geplant haben, tatsächlich in der Praxis tauglich ist.

Zufriedene Mitarbeiter – produktive Mitarbeiter

Wenn man jetzt noch bedenkt, dass in Deutschland heutzutage fast jeder zweite Beschäftigte ein Büroarbeiter ist, und jeder natürlich produktiv sein soll, ist es nicht verwunderlich, dass Unternehmen generell ein Interesse an sinnvollen Bürokonzepten haben. Studien haben herausgefunden, dass gelungene Bürokonzepte zu besserer Leistung der Mitarbeiter führen. Ein gutes Konzept verspricht demnach mehr Konzentration, mehr Kreativität und dadurch eine höhere Produktivität der Mitarbeiter bei gleichzeitig größerem Wohlbefinden und mehr Ausgeglichenheit. Doch welches ist denn jetzt das gute, das richtige Konzept?

Zellenbüros – Gruß aus Italien

Bürokonzept ZellenbüroGanz nebenbei: Während ich diesen Beitrag schreibe, befinde ich mich in einem Zellenbüro. Auch wenn sie heutzutage oft als veraltet und überholt gelten, Zellenbüros sind in Deutschland noch immer das vorherrschende Bürokonzept. Seinen Ursprung hat es übrigens in Italien, genauer gesagt in Florenz: Im 16. Jahrhundert ließ Cosimo I. de Medici einen U-förmigen Bürokomplex bauen, um dort Ministerien und Ämter unterzubringen – die Uffizien waren geschaffen. Charakteristisch für dieses Bürokonzept sind lange Flure, an deren Seiten sich die Büros angliedern. Den Vorteilen (hohe Konzentrationsmöglichkeit, sehr gute Belichtung und gutes Büroklima) steht allerdings die unflexible Arbeitsstruktur nachteilig gegenüber, ebenso wie die zwangsläufig geringere Anteilnahme der Mitarbeiter am Geschehen außerhalb ihres Büros oder ein erhöhter Kommunikationsaufwand innerhalb eines Teams.

Gruppen- und Großraumbüros – viel Lärm, sonst nichts

Zwei andere Konzepte sind die des Großraum- oder der kleineren Gruppenbüros. Über den großen Teich „geschwappt“, bewies jedoch das Großraumbüro schon recht bald und deutlich, dass es als Alternative nicht taugt. Grund: zu hoher Geräuschpegel. Laut einer Studie des Lehrstuhls für Technik und Architektur der Hochschule Luzern verschlechtere sich die Arbeit dahingehend, dass mit zunehmender Mitarbeiterzahl pro Büro Konzentration, Wohlbefinden und damit letztlich Produktivität deutlich abnehme. So fühlten sich beispielsweise „bereits ab 2 Personen im Büroraum mehr als doppelt so viele (29.7 %) eher oft bis sehr oft/ständig gestört. In Büros mit mehr als 50 Personen sind es 79.8 %“. Zahlen, die man nicht weiter kommentieren muss.

„Flexible Office“ – die Mischung macht‘s

Hohe Fenster, weite Räume, von Tageslicht durchflutet, links und rechts an den Fenstern: die Arbeitsplätze. Dazwischen, sozusagen als Trenner: die Rückzugsräume. Alles ist hell, freundlich, weitläufig und dennoch – erstaunlich ruhig, eine fast schon andächtige Stille. So präsentiert sich mir das „Flexible Office“, durch das mich Jutta Rößner führt. Ich fände es charmant, hier zu arbeiten. Es scheint der Mittelweg zu sein, der den Vorteil bringt. Jutta Rößner:

Die Vorteile von Einzelbüros zu verbinden mit den Vorteilen von offenen Bürostrukturen. Offene Bürostrukturen heißt, es sitzen 20, 25 Kollegen, ohne durch Türen getrennt zu sein, in einer offenen Fläche, was den Vorteil der leichten, einfacheren Kommunikation hat; man sieht sich, man hört sich, man weiß gleich, ist der Kollege da, kann ich mit ihm kommunizieren. Auf der anderen Seite, Vorteil eines Einzelbüros, kleinerer Büros, Zweierbüros; ich kann sehr gut, sehr konzentriert, sehr abgeschlossen arbeiten.

Heißt, wenn ich Bedarf an Ruhe und Konzentration habe oder mit zwei oder drei Kollegen etwas besprechen muss, ziehe ich mich zurück und störe gleichzeitig auch keine anderen Kollegen. Und das alles spontan, ohne lange Terminabsprachen. Ob es dabei zu einer Überbuchung solcher Rückzugsräume kommt oder zu einer geringen Nutzung, dazu werden im jetzigen Pilotverfahren Studienergebnisse am realen Fall getestet, indem man Arbeitsplätze in der Fläche den Arbeitsplätzen in den Rückzugsbüros gegenüberstelle, sagt Jutta Rößner.

Diese Ergebnisse sowie alle weiteren Erfahrungen und Anregungen werden ständig weitergegeben an die Planer der künftigen Büros im IT-Campus – so dass am Ende ein gelungenes Konzept umgesetzt wird, in dem Mitarbeiter produktive Arbeit leisten, weil sie dies in einer ihnen angenehmen Atmosphäre tun. Was am Ende dabei heraus kommt – wir dürfen gespannt sein.

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Über den Autor

Carsten Fleckenstein

ist 2002 nach seinem Studium der Informationswissenschaften als Online-Redakteur bei DATEV eingestiegen. Mittlerweile als Redakteur im Corporate Publishing tätig, schreibt und berät er für Online und Print. Das Kontrast-Programm fährt er in seiner Freizeit, wenn er zum Ausgleich versucht, ohne Internet und Online-Kommunikation zu (über)leben und sich begeistert dem Kung Fu und der Meditation widmet.